Die traditionelle Robe der Gespanschaft Zagreb


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Detail einer handgemachten Tracht der Gespanschaft Zagreb

Einen wichtigen Platz in der Präsentation des Kulturerbes von Kroatien und dieser Gegend nimmt mit Sicherheit die traditionelle Robe, bzw. die Volkstracht ein.

Die große Vielfältigkeit und das weite Modalitätenspektrum der Volkstracht ist bedingt durch klimatische, geografische und wirtschaftliche Merkmale der Region, wie auch durch den Kontakt mit verschiedenen Kulturen und Stilepochen. Auf den ersten Blick unterscheiden sich die Trachten der Gespanschaft Zagreb sehr, da die Gegend heterogen gestaltet ist, aber einigen gemeinsamen Charakteristiken zufolge, nämlich der ethnographischen Typologie nach, gehören sie dem pannonischen Kulturgebiet an. Eine Ausnahme dabei ist die Region Žumberak, in der die Tracht der griechisch-katholischen Frauen den Grundelementen, dem Material und dem Schnitt nach dem dinarischen Kleidungsinventar angehören.

Auf die Zugehörigkeit zum pannonischen Kulturgebiet deuten die zweiteiligen männlichen (Hemd und Hose) und dreiteiligen weiblichen (Kleid, Leinenhemd und Schürze) Grundelemente der Trachten hin, die aus selbst hergestelltem Gewebe pflanzlicher Herkunft (Hanf, Leinen, Baumwolle) angefertigt wurden. Die Robe ist nicht geschnitten und wird zusammengelegt durch das Verbinden am Rand der zur Hälfte gewebten Leinwand, die daraufhin zu breiteren oder engeren Falten gerafft wird. Einen Standardzusatz zu den Grundelementen bilden die Oberteile (Westen, Ledermäntel, kurze Stoffmäntel, Pelerinen) aus Leder, Stoff oder Pelz, die ebenfalls von einheimischen Gewerbetreibenden produziert werden.

Zur Zeit, als die Tracht noch Teil der alltäglichen Kleidung war, entsendete sie stillschweigend die verschiedensten Botschaften, die von den Mitgliedern der lokalen Gemeinschaft verstanden werden konnten. (Die Abwendung von der Tracht beginnt Ende des 19. Jh. bis sie nach dem 2. Weltkrieg vollkommen verschwunden ist). Besonders an der weiblichen Festtagstracht konnte man das Alter und den gesellschaftlichen Status erschließen. Jede Lebensphase und jeder Wendepunkt im Leben – von der Kindheit, Jugend, Heirat, Mutterschaft, dem reifen und hohen Alter bis zur Witwenschaft konnte an der Robe der Frau abgelesen werden. Nach der Farbe und Menge an Verzierungen konnte man das Alter feststellen – rot war für die Jugend bestimmt und die gedämpfteren Farben für das Alter, aber auch nach den Versionen der weißen Tracht, mit einer bescheidenen Verzierung am Halskragen und Handgelenk (Krašić, Jamnica) bis zur reinen Weißheit der Robe, die die Trauer nach einem Verstorbenen ausdrückte.

Die Art der Kämmung der Haare und der Kopfbedeckung haben am eindeutigsten die Statusunterschiede gezeigt. Bei nicht bedecktem Haar handelte es sich um eine unverheiratete junge Frau, die ihr Haar in ein oder zwei Zöpfe geflochten hat, die den Rücken hinunter hingen oder im Nacken eingewickelt wurden. Mit dem Ablegen des Heiratskranzes wurden der jungen Braut die Haare hochgesteckt, in die unterschiedlichsten Unterlagen eingeflochten und mit Hauben bedeckt (Hauben, Käppchen) und Kopftücher (Peče). Solche Kopfbedeckungen symbolisierten den Status einer verheirateten Frau und begleiteten sie das ganze Leben lang.

Elemente der traditionellen Tracht

Neben der Kennzeichnung des Status und des Lebensalters ist man der Ansicht, dass die Tracht auch Elemente magisch-apotropäischer Bedeutungen beinhaltet. Das bezieht sich vor allem auf die häufige Verwendung der Farbe rot, die Glück, Gesundheit und den Schutz der jungen Generation symbolisiert. Und die einspitzigen, bzw. zweispitzigen Kopfbedeckungen (Bratina und Jamnica) weisen auf ein uraltes Fruchtbarkeitssymbol hin, denn laut der Tradition schützen die „Spitzen” vor Flüchen und bösen Blicken.

Der Schmuck als ästhetische Bereicherung der Tracht deutete auch auf die Vermögenslage einer Person hin. Die Halsketten bestanden meistens aus Korallen (Turopolje, Krašić), Silbermünzen (Jamnica, Pokupsko), Perlmutt (Kutina, Posavski Bregi) oder aus selbst angereihten bunten Glasperlen (Samobor, Bratina, Bistra). Außer den bisher erwähnten Bedeutungen symbolisierte die Tracht auch die lokale, regionale, nationale und konfessionelle Identität (Žumberak), was auch heute noch zweifellos der Fall ist.

Die Elemente, nach denen sich die Volkstrachten der Gespanschaft Zagreb am deutlichsten unterscheiden, sind die Menge der Verzierungen und die unterschiedlichen Web- und Sticktechniken, die die meisten Frauen beherrschten.

In den Ortschaften, wo sich Männer mit dem Weben beschäftigten, haben die Trachten eine etwas bescheidenere Verzierung (Sv. Jana, Krašić, Zelina). Um diese Tracht zu verschönern, haben die Frauen nachträglich weiße Stickereien an den Faltenenden angebracht (Jaskansko područje) oder Häkelspitzen an die Schürzenränder angenäht (Bistra). Doch auch dort, wo die Tracht der Modalität wegen frei war von allem Bunten und jeglichen Ornamenten kompensierte man die Verzierung durch eine dichte zweifache (waagerechte und senkrechte) Faltung fast der ganzen Robe (Jamnica, Vrbovec) oder durch eine ausgiebige Menge an Stoff (Pokupsko). Als besondere Verzierung gilt auch das dicht gewebte Tuch aus roter und dunkelblauer Baumwolle, doch der Kolorismus, die Farbharmonie, die reiche Ornamentik von strengen geometrischen bis zu stilisierten Pflanzen- und Tierformen sind eine Charakteristik der sog. Trachtversion von Posavina (Turopolje, Dugo Selo, Križ, Posavski Bregi).

Die Anfertigung von Trachten war für Frauen eine nicht umgängliche Pflicht, aber auch die Art, ihre künstlerische Auffassung von Schönheit zum Ausdruck zu bringen. Das gibt uns das Recht, jedes einzelne gewobene oder gestickte Teil einer Tracht als kleines Kunstwerk anzusehen.

Autorin des Textes: Prof. Vesna Zorić
Ethnographisches Museum Zagreb